Das Wort Werte hat viele Inhalte, wir können Unterschiedliches damit meinen. Hier, in diesem Text, steht es für die Sehnsucht nach dem Guten und Grossen in uns. Wahrscheinlich kennen wir alle dieses innere Ziehen zum Guten und Grossartigen, welches uns in einen ungelösten Konflikt stürzt: Wir wollen gut sein und sind es nur beschränkt, wir stehen uns selbst im Weg.

Das Gute und Grosse – täglich leben wir diese und andere Werte. Wir leben sie im Kleinen und manchmal im Grossen. Dennoch scheitern wir an ihrer Schönheit und Vollkommenheit, denn es gelingt uns selten oder nie, ihren hehren Anspruch kompromisslos zu erfüllen. Und das wissen wir gut. Könnten wir ungebrochen gut und grossartig sein, dann kämen wir an den Punkt, wo es nicht mehr weiter geht. Wir wären über jede denkbare Höhe hinaus gewachsen. Und dort geht es nicht mehr weiter, wir haben alles erreicht. Stillstand tritt ein. Stillstand ist die unheimliche Konsequenz, wenn wir alles erreicht haben. Bewegung entsteht erst mit der Rückkehr in den alltäglichen Alltag. Indem wir zurück kehren wie das Boot, das kurz vor der Mole über Stag geht.

Das Gute in uns verstummt nie. Selbst dann nicht, wenn wir es nicht mehr hören können und wollen. Es wird uns immer herausfordern. Indem wir erkennen, welche Werte wir anstreben, was wir als gut und gross wahrnehmen und empfinden, kommen wir in die Lage, davon Motive für das eigene Handeln abzuleiten. Das ist ein anhaltender Prozess. Es lohnt sich, ihn anzunehmen und zu durchlaufen. Damit schaffen wir den Boden für die eigene Zufriedenheit und für den langfristigen Erfolg unseres Geschäfts.

Nachstehend sind Werte beschrieben, die wir kaum erreichen. Doch täglich leben wir diese und andere Werte, bewusst und auch ohne es zu wissen. Sie im Alltag anzustreben, macht die Welt zu einer besseren Welt und unser Geschäft zu einem vertrauenswürdigen Platz. Damit uns das gelingt, müssen wir überhöhte Werte in greifbare, allgemein verständliche Regeln adaptieren. Wie das getan werden kann, darauf gehe ich später ein. Hier sind zuerst einmal inhärente Werte, die uns besser machen, als wir es je sein können.

GANZHEIT: Das Bedürfnis, sich als Teil von etwas Ganzem zu verstehen und nicht getrennt zu sein von Steinen, Gräsern, Tieren und Menschen. Alle Erscheinungen sind meine Schwestern und Brüder. Irgendwo bin ich auch sie, sie sind in mir und ich in ihnen. Ich höre nicht bei der Haut auf, ich habe keine Grenzen, keine Form, keine Farbe, keinen Geruch und kein Gesicht. Das ist Ganzheit. Ganzheit ist ein Moment der vollkommenen Erkenntnis. Im Zen steht dafür das Wort Leere, dass die Dinge leer sind von Attributen und Abgrenzung.

VOLLKOMMENHEIT: Das Bedürfnis, Meisterschaft zu erlangen in dem, was man tut und ist. Meisterschaft, die sich durch das Verstehen auszeichnet, dass Vollkommenheit ein erstrebenswerter Moment ist, der mit dem Erreichen sogleich zerfällt. Das Verständnis, dass das Beste immer offen ist und stets durch das Bessere abgelöst wird.

GERECHTIGKEIT: Das Bedürfnis, den eigenen inneren Werten zu folgen, die vielleicht an der grundlegenden Ethik von Kants kategorischem Imperativ, „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde,” zu messen sind. Erst das Verstehen, dass wir an diesem übermenschlich, absurd hohen Anspruch immer wieder scheitern werden, macht es uns möglich, ihn erreichen zu wollen und uns selber daran zugrunde zu richten.

REICHTUM: Das Bedürfnis den unendlichen Reichtum des Lebens in seiner Vielfalt und Verschiedenheit zu durchdringen, zu erfahren und zu verstehen und jede Voreingenommenheit zu verlieren.

EINFACHHEIT: Das Bedürfnis und die existenzielle Not, die Essenz des Seins zu verstehen und die unstrukturierte Einfachheit zu erfahren, in der Ursprung und Gegenwart ununterschieden sind.

SCHÖNHEIT: Das Bedürfnis, die Wohlgestalt und Vollkommenheit des Schönen zu erfahren, zu leben und sich daran zu erfreuen. Schönheit als „Glanz der Wahrheit“ ist die Übereinstimmung der Gedanken mit der Wirklichkeit.

WAHRHEIT: Das Bedürfnis, Wahrheit ohne Falschheit und Verfärbung auszudrücken und ihr nachzuleben. Und auch zu verstehen, dass der Gedanke und das Gesagte nur gerade wahr und wirklich sind, im Moment wo er gedacht, oder es gesagt wird. Wahr und wirklich ist einzig und ausschliesslich die Gegenwart. Oder wie Arthur Schopenhauer es sagte: „… wie aber auf der Erdkugel überall oben ist, so ist auch die Form alles Lebens Gegenwart …“.

EINZIGARTIGKEIT: Das Bedürfnis, das Geschenk der eigenen Existenz, die eigene Kreativität und das Anderssein auszudrücken. Immer im Verständnis, dass wir einzigartig sind, wie alle anderen Wesen auch.

LEICHTIGKEIT: Das Bedürfnis, Leichtigkeit zu erfahren und freudvoll und spielerisch zu leben, und die Unerträglichkeit der Leichtigkeit des Seins zu verlieren. Frei nach Heraklit: „Die Zeit ist ein Kind, das auf einem Brett Steine hin und her schiebt. Absichtsloses Spiel eines Kindes.”

Werte im Geschäftsmodell

Ein stabiles Geschäft basiert auf Werten, die wir leben. Bei Binaïs entwickeln wir Geschäftsmodelle, und das heisst, wir befassen uns auch mit Werten. Arbeiten wir an einem Geschäftsmodell, dann klären wir zuerst die inhärenten Werte, welche im Geschäft zum Tragen kommen können und sollen. Inhärent sind die Werte dann, wenn die verantwortlichen Personen im Unternehmen diese Werte leben. Damit Werte nach innen und aussen sichtbar und zur Kultur des Geschäfts werden, braucht es ihre Adaption in Regeln oder Normen, oder in beides.

Täglich leben wir diese und andere Werte

Wenn ich sage, täglich leben wir diese und andere Werte, dann beziehe ich mich auf Regeln oder Normen, die sich aus den grossen, inhärenten Werten der Menschheit herleiten. Regeln oder Normen definieren einen Rahmen für die Handlungen des Unternehmens. Besser gesagt, sie zeichnen eine grossen Wiese, auf der wir uns bewegen können. Die ausreichend Raum lässt für Bewegung, Flexibilität und Kreativität.

Für die Rolle von Werten in einem Geschäftsmodelle skizziere ich hier ein Beispiel. Dazu dient mir das Geschäftsmodell von there be Light. Im Jahr 2013 haben wir das Geschäftsmodell entwickelt. 2014 wurde das Geschäft lanciert und nach dem erfolgreichen Start in eine eigene Firma überführt. In die there be Light GmbH. there be Light

Entwickeln wir ein Geschäftsmodell steht am Anfang die Frage, welche Werte das Geschäft verkörpern soll. So wollten wir auch bei there be Light wissen, wo unsere Fähigkeiten liegen. Welche Werte wir fähig sind, in allen Bereichen des Unternehmens lebendig zu machen, und sie ohne Wenn und Aber in allen Handlungen des Unternehmens zu verkörpern. Wir haben uns für die Schönheit entschieden und daraus Motive abgeleitet. Am Ende des Prozesses konnten wir unsere Bestrebungen in den Satz, „there be Light – the beauty of good healthy Light,” einbringen. Er ist zum Claim des Unternehmens geworden. Natürlich steht hinter der Aussage, the beauty of good healthy Light, mehr als das sichtbare Licht. Es ist auch ein Bekenntnis zum Besseren, zum ständigen Verbessern unseres Tuns und unserer Leistungen, welches daran gemessen wird, dass das Bessere allen zugute kommt.

Alle müssen vom Besseren profitieren und es erfahren können. Es ist die Schönheit des Bewusstseins von Verantwortung. Dass wir, indem wir handeln, Verantwortung übernehmen. Dass unser Licht gesund ist und gut. Dass unser Reden wahr ist. Dass wir transparent sind und nachvollziehbar. Dass der ökologische Fussabdruck kleiner wird. Dass uns die Gesundheit der Personen wichtig ist, die in unseren Lichtsystemen arbeiten und sich darin aufhalten. Das sind Konsequenzen aus den Werten im Geschäftsmodell von there be Light.